Webdesign & WordPress   ·  7 Minuten Lesezeit

Alt-Texte richtig schreiben: ein Text, drei Wirkungen

Der Alt-Text ist die kleinste Pflichtübung im Web und gleichzeitig die mit der größten Streuwirkung.

Paul BöstroInhaber der creativecouch, vom BAFA zugelassener Berater

Frau sitzt am Laptop und liest den Inhalt einer Website über eine Braillezeile auf dem Schreibtisch.Beitragsbild: KI-generiert

Was Google dazu sagt

Googles Dokumentation zu Bildern ist an dieser Stelle ungewohnt deutlich, Stand 2. März 2026. Das wichtigste Attribut, wenn es um zusätzliche Informationen zu einem Bild geht, sei der Alt-Text2.

Gleichzeitig warnt Google davor, alt-Attribute mit Suchbegriffen zu füllen. Das führe zu einer schlechten Nutzererfahrung. Als gutes Beispiel nennt die Dokumentation den knappen Satz "Dalmatian puppy playing fetch".

Auch zu Dateinamen steht dort etwas: kurz, aber beschreibend. Die Datei my-new-black-kitten.jpg sei besser als IMG00023.JPG. Und Bilder sollen in der Nähe des passenden Textes stehen.

Kernsatz

Welche Information würde fehlen, wenn das Bild nicht da wäre?

Mann am Bildschirm bearbeitet in der Mediathek ein ausgewähltes Bild, rechts das Eingabefeld für den Alternativtext.Bild: KI-generiert

Und die dritte Wirkung

Bei einem verlinkten Bild dient das alt-Attribut als Ankertext3. Das steht in Googles Dokumentation zu Links, Stand 10. Dezember 2025.

Damit wird aus einem Detail ein struktureller Punkt. Ein verlinktes Logo ohne Alt-Text ist ein Link ohne Aussage und eine Bildkachel, die auf eine Leistungsseite führt, verliert ohne Alt-Text ihre gesamte Beschreibung.

Dasselbe gilt für Bildkacheln in Übersichten. Wenn die Kachel das einzige klickbare Element ist, trägt ihr Alt-Text die gesamte Beschreibung des Ziels. Das betrifft Startseiten und Refe­renz­über­sichten besonders oft.

Ich prüfe in Projekten deshalb zuerst die verlinkten Bilder und danach die dekorativen. Die Reihenfolge spart Zeit, weil oben der größere Schaden sitzt.

Die einzige Frage, die du dir stellen musst

Sie lautet nicht "Was ist auf dem Bild zu sehen?". Sie lautet: Welche Information würde fehlen, wenn das Bild nicht da wäre?

Bei einem Produktfoto fehlt das Aussehen des Produkts. Bei einem Diagramm fehlt die Kernaussage der Daten. Bei einer verlinkten Kachel fehlt das Ziel des Links. Bei einem Hintergrundmuster fehlt nichts.

Diese eine Frage ersetzt die meisten Regelwerke. Sie führt automatisch dazu, dass dasselbe Bild an zwei Stellen zwei verschiedene Alt-Texte bekommt. Genau das ist richtig.

Beispiele, die den Unterschied zeigen

Ich nehme dasselbe Foto und setze es in drei verschiedene Zusammenhänge. Der Alt-Text ändert sich jedes Mal.

ZusammenhangAlt-Text
Foto im Beitrag über eine SanierungNeu verfugte Ziegelfassade eines Wohnhauses nach der Sanierung
dasselbe Foto als Link zur ReferenzseiteZur Referenz: Fassadensanierung Wohnhaus Wetzlar
dasselbe Foto als Deko im Seitenkopfleer, also alt=""
Diagramm zur KostenentwicklungBalkendiagramm: Materialkosten steigen von 2023 bis 2026 um ein Drittel
Team-Foto im BeitragZwei Mitarbeiterinnen der creativecouch bei der Arbeit am Entwurf

Der dritte Fall ist der, der am meisten Diskussion auslöst. Ein leeres alt-Attribut ist kein Fehler, sondern die korrekte Umsetzung für rein dekorative Bilder. Ein fehlendes Attribut dagegen schon, weil manche Hilfsmittel dann den Dateinamen vorlesen.

Was nicht in den Alt-Text gehört

Drei Dinge sehe ich ständig und alle drei schaden.

  1. Der Einstieg "Bild von" oder "Grafik von". Hilfsmittel kündigen ein Bild bereits an, die Wiederholung ist reine Störung.
  2. Die Aneinanderreihung von Suchbegriffen. Google nennt das ausdrücklich als schlechte Nutzererfahrung.
  3. Der Dateiname. Ein automatisch übernommenes fassade-wetzlar-2026-final-v3 ist für niemanden eine Information.

Ein vierter Punkt ist seltener, aber hartnäckig: derselbe Alt-Text auf allen Bildern einer Seite, meist der Firmenname. Das erfüllt formal die Pflicht und liefert inhaltlich nichts. Für jemanden, der die Seite mit einem Screenreader durchgeht, ist es sogar schlechter als ein leeres Attribut, weil dreimal dieselbe Zeile vorgelesen wird.

Dazu kommt die Länge. Es gibt keine offizielle Obergrenze, aber ein Alt-Text, der über zwei Sätze geht, gehört meistens in die Bildunterschrift oder in den Fließtext.

Dein Fall ist anders

Dann schauen wir ihn uns im kostenlosen Erstgespräch an.

Dateiname und Bildunterschrift gehören dazu

Der Alt-Text ist der Teil, den man nicht sieht. Die Bildunterschrift ist der Teil, den alle sehen. Gerade beim Überfliegen bleibt der Blick oft an ihr hängen.

Deshalb behandle ich beide getrennt. Der Alt-Text beschreibt, was zu sehen ist, die Bildunterschrift ordnet ein, warum es hier steht. Dieselbe Formulierung an beiden Stellen ist eine verschenkte Gelegenheit.

Beim Dateinamen reicht Disziplin beim Hochladen. Wer die Datei vor dem Upload einmal sinnvoll benennt, hat den Punkt für immer erledigt und WordPress übernimmt den Namen dann auch als Vorschlag für den Titel.

Was das BFSG damit zu tun hat

Für die Betriebe, die unter das Barrie­re­frei­heits­stär­kungs­ge­setz fallen, ist der Alt-Text keine Kür. Die Textalternative gehört zu den Anforderungen, an denen sich Barrierefreiheit im Web zuerst entscheidet.

Ich formuliere das bewusst vorsichtig, weil die Rechtslage weniger eindeutig ist, als sie in vielen Angeboten dargestellt wird. Das Gesetz gilt, aber es gibt bis heute keine im Amtsblatt der EU zitierte harmonisierte Norm4, die eine Vermutungswirkung auslöst. Stand ist der 13. Oktober 2026.

Praktisch ändert das wenig. Wer sich an WCAG 2.2 auf Stufe AA hält, erfüllt den anerkannten Stand der Technik und das Erfolgskriterium 1.1.1 ist davon der einfachste Teil.

Was ich in der Praxis sehe: Fehlende Alt-Texte sind der am schnellsten prüfbare Mangel überhaupt. Ein automatisiertes Werkzeug findet sie in Sekunden und genau deshalb tauchen sie in Beschwerden regelmäßig auf.

Wie sich das Gesetz nach den ersten Monaten tatsächlich ausgewirkt hat, steht unter BFSG im Realitätscheck.

Warum automatische Alt-Texte nicht reichen

Es gibt inzwischen Werkzeuge, die Alt-Texte per KI erzeugen. Sie beschreiben zuverlässig, was auf einem Bild zu sehen ist.

Genau das ist das Problem. Die Beschreibung ist nicht die Aufgabe, der Zweck ist es. Ein Werkzeug weiß nicht, ob dieses Foto hier als Beleg, als Dekoration oder als Link steht.

Ich halte solche Werkzeuge trotzdem für sinnvoll, aber als Vorschlag und nicht als Ergebnis. Bei einem Bestand von tausend Bildern ist ein automatischer Erstentwurf, den ein Mensch durchgeht, deutlich besser als tausend leere Felder.

Hinweis zur Erstellung: Dieser Beitrag entstand mit Unterstützung von KI und wurde von Paul Böstro redaktionell geprüft.

Ich schaue mir deine Website an

Im kostenlosen Erstgespräch gehen wir sie gemeinsam durch und klären, wo sie Anfragen verliert.

So arbeite ich: Barrierefreie Website

Paul Böstro

Über den Autor

Paul Böstro

Ich führe die creativecouch in Butzbach und bin vom BAFA zugelassener Berater. Seit über zwölf Jahren entwickle ich Marken, Websites und digitale Strategien, heute vor allem für Sichtbarkeit bei Google und KI.

Über mich und die creativecouch

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